1
Lena Schneider war neunzehn Jahre alt und fühlte sich wie Mitte siebzig. Antriebslos, überflüssig und unsexy. Dem gefühlten Alter entsprechend stand es auch um ihr Liebesleben. Wobei Rentner vermutlich mehr Sex hatten als sie. Senioren waren ja heutzutage die neuen Teenies. Ihre Mutter Doris war da ein gutes Beispiel. Und just hämmerte sie an Lenas Zimmertür.
»Gurke, kann ich reinkommen oder masturbierst du?«
Leider war Doris deutlich unter siebzig, sodass man nicht mal sagen konnte: »Mensch, super, Mutti, dass du noch so agil und … jung geblieben bist!« Nein, sie war Mitte vierzig und deswegen war der einzig passende Kommentar: »OMG, du bist so scheiße peinlich und berufsjugendlich, bitte hör auf, mich auf Facebook zu poken, und versuch nicht, meine Hosen anzuziehen.«
Doris quetschte sich mit ihrem debilen Therapeutinnen-Lächeln durch die Tür – sie war vorsichtig, in der Vergangenheit waren des Öfteren Gegenstände geflogen – und sah ihre Tochter erwartungsvoll an.
»Mutter, ich masturbiere … erstens gar nicht, wenn du zu Hause bist, und zweitens nicht tagsüber.«
Doris seufzte. »Jetzt hat wieder die alte Frau aus dir gesprochen. Du weißt doch. Sex ist nichts, was man im Dunkeln machen muss. Mein bester Sex war …«
»NÖÖÖÖT!«
Lena imitierte ein Buzzer-Geräusch, um Doris’ Satz vor Erreichen der maximalen Peinlichkeit zu beenden. Doris fand, ihre Tochter war verklemmt. Und Lena wusste, dass sie irgendwo recht hatte. Was sie öffentlich natürlich jederzeit abstreiten würde.
»Ja, ist noch irgendwas?«
Lena hatte gerade leider nichts zu werfen – außer einem abfälligen Blick.
»Frieder ist da!«
Doris freute sich. Sie fand Frieder super. Und Frieder fand Lena super. Nur leider fand Lena Frieder gar nicht so super.
»Zieh dir doch mal was Hübsches an, du siehst schon
wieder so grau aus.«
Doris verschwand. Lena leider nicht.
(…)
Und hier der Clip von Josephine und Elyas, die mein Buch gekonnt bewerben …