Februar 2023 / 11Freunde - Magazin für Fußballkultur / Interview

Sinan Bakis

Der 28-jährige Troisdorfer spielt ganz oben. Denn der FC Andorra ist in Europas höchstgelegener Hauptstadt zu Hause – und will unter Präsident Gerard Piqué auch sportlich hoch hinaus

Sinan Bakis, dachten Sie an einen Scherz, als Sie hörten, dass Sie ein Klub aus Andorra verpflichten will?

Nur im ersten Moment. Ich hatte schon vor Jahren gehört, dass Gerard Piqué mit seiner Investorengruppe einen unterklassigen Klub aus Andorra übernommen hatte. Dass der mittlerweile in Spaniens zweiter Liga spielt, wusste ich aber nicht. Als man mir dann erzählte, was man vorhat und wie das Projekt aussieht, wollte ich Teil davon sein.

Was wurde Ihnen denn erzählt?

Dass sie in zwei Jahren die Primera Division erreichen wollen und viel in neue Spieler und die Infrastruktur investieren wollen. Auch die letzten Jahre, die Aufstiege aus dem Nirgendwo der fünften Liga, fand ich beeindruckend.

Wie blickt man in Spanien auf das Projekt?

Wir sorgen in der Liga schon für Aufsehen. Viele gegnerische Trainer sagen, sie hätten nicht erwartet, dass wir eines der fußballerisch stärksten Teams sind. Wir spielen wie Barcelona, viel Tiki-Taka, weil unser Coach Eder Sarabia zuvor Co-Trainer dort war und viele Spieler aus der Barça-Jugend kommen.

Andorra liegt in den Pyrenäen. Ein Drittel der 77 000 Bewohner lebt in der Hauptstadt Andorra la Vella. Wie ist es dort?

Ganz schön. Sicher, es gibt nicht den Trubel großer Städte, aber dafür sehr viele Berge. Wir sind umzingelt davon. Viel raue Natur. Der einzige Nachteil ist, dass wir zu jedem Auswärtsspiel relativ weit reisen müssen. Selbst wenn wir fliegen, geht das nur ab Barcelona – und das sind allein drei Stunden Busfahrt. Und von dort folgt womöglich noch ein Flug nach Teneriffa oder Gran Canaria.

Wohnen Sie in der Hauptstadt?

Ja, wie die meisten Spieler. Allein schon, um nah beim Trainingsplatz und am Stadion zu sein. Manche sind auch weiter nach oben gezogen, einige aus dem Staff leben in den Bergen. Aber die Kälte wollte ich mir nicht antun. Jetzt im Winter schneit es fast durchgehend.

Andorra la Vella liegt auf über 1000 Metern Höhe.

Momentan ist es sehr kalt, vor allem nachts. Beim Heimspiel gegen Albacete Ende Januar, an einem Montagabend um 21 Uhr, hatten wir minus acht Grad.

Nutzen Sie die Berge zum Wandern oder Skifahren?

Wandern ist nicht mein Ding. Aber ich angle sehr gerne. An freien Tagen fahre ich schon mal um acht Uhr los und angle den ganzen Tag.

Klingt nach der puren Idylle. Aber als junger Mensch will man doch was erleben.

Es ist viel kleiner, aber wir haben alles. Man kann ins Kino oder ausgehen. Viele Teamkollegen stammen aus Barcelona. Die fahren regelmäßig hin, sobald wir ein, zwei Tage frei haben. Ich will mir die drei Stunden Fahrt meist nicht antun.

Im Januar rutschte Ihr Klub nach mehreren Niederlagen ins Mittelfeld der Tabelle ab.

Leider, nachdem wir lange oben mit drin waren. Mal sehen, die Saison geht noch ein paar Monate, wir werden alles versuchen, um in die Playoffs zu kommen und doch noch aufzusteigen.

Für Sie läuft es ganz gut, Sie sind aktuell bester Torschütze des FC (Stand 2.2.: acht Treffer).

Ja, ich bin zufrieden, obwohl es schon noch ein, zwei Tore mehr sein könnten.

Wie ist es denn, in den Höhen Andorras Fußball zu spielen?

Das Stadion ist wirklich klein, es hat nur 3300 Plätze. Es fühlt sich aber sehr gut an, umzingelt von Häusern und Bergen. Der Platz ist in hervorragendem Zustand, darauf wird großer Wert gelegt. Die Bedingungen sind hochprofessionell.

Ist der andorranische Fußballfan heißblütig?

Wir haben schon Fans, manche tragen auch Kutten und Fahnen. Auswärts fahren zwischen 30 und 50 Leute mit. Auch wenn viele Spiele weit weg sind.

Haben Sie Gerard Piqué schon kennengelernt oder lässt der sich gar nicht blicken?

Doch, er ist sogar sehr oft da, schaut bei den Heimspielen zu und kommt danach in die Kabine. Es gab auch schon zwei Mannschaftsabende mit ihm, wo er sich für jeden Spieler Zeit nahm, für ein „Hallo“ und ein bisschen Smalltalk.

Der Präsident befindet sich im Rosenkrieg mit Ex-Frau Shakira. Was kriegen Sie davon mit?

In Spanien ist das eine große Geschichte, insofern bekommt man durchaus so
einiges mit. (Schmunzelt.)

Sie spielten Ihre gesamte Jugend über in Deutschland, aber nie im Herrenbereich. Warum?

Es hat damals in der Jugend bei Bayer Leverkusen ein wenig gekracht. Ich war ein junger Bursche mit vielen Emotionen und wollte weg. Das Angebot von Kayserispor aus der türkischen Süper Lig kam also gerade recht. Aber dass ich dann zehn Jahre nur im Ausland spielen würde, hat sich zufällig ergeben.

Sie waren auch für Bursaspor aktiv, in Österreich bei Admira Wacker Mödling und dann bei Heracles Almelo in Holland. Wollen Sie irgendwann wieder in Deutschland spielen?

Ja, auf jeden Fall. Ich hätte vor drei Jahren in die zweite Bundesliga wechseln können, habe mich dann aber für Holland entschieden. Wenn man in Deutschland aufwächst, dann träumt man natürlich immer davon, mal in der Bundesliga zu spielen.